Heinrich Jacoby (1889 Frankfurt a.M. - 1964 Zürich)


1908-1913 studierte Jacoby Komposition und Orchesterdirektion bei Hans Pfitzner und wurde unter seiner Direktion Kapellmeister und Regievolontär am Straßburger Stadttheater. Aber sein Interesse galt zunehmend der Pädagogik, nicht nur der Musikerziehung. 1925 lernte er die Arbeit von Elsa Gindler kennen. Es entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit ihr. Beide haben Zusammenhänge zwischen Zustand und Verhalten sowie der Qualität von Leistungen aufgezeigt und, auch gemeinsam, dazu Kurse angeboten. Nach erzwungener Emigration setzte Heinrich Jacoby von 1933 an seine Arbeit in der Schweiz fort.
Ursprünglich Musiker, beschäftigte sich Heinrich Jacoby mit Fragen der biologischen Ausstattung des Menschen und der so genannten Begabung allgemein. Er fragte nach den Voraussetzungen für die Entfaltung menschlicher Fähigkeiten wie nach den Ursachen, die diese Entfaltung stören. Seine hierzu gewonnenen Erkenntnisse beziehen sich auf biologische, soziale, psychologische und pädagogische Faktoren, die am Entstehen so genannter Begabungsunterschiede beteiligt sind, auf Bedingungen einer zuverlässigeren Sicherung der Entfaltung des Kindes, die für den Gesamtbereich der Erziehung gelten, wie auch auf verhaltensabhängige Voraussetzungen bewusster, praktischer Arbeit an der eigenen Entfaltung und Nachentfaltung von Erwachsenen.
Das Buch “Jenseits von begabt und unbegabt” ist ein Protokoll eines Kurses, den Jacoby 1945 in Zürich gegeben hat. Der Titel zeigt bereits an, daß Jacoby die Klassifizierung in begabte und unbegabte Menschen ablehnt. Der Mensch sei biologisch so ausgestattet, daß er sich gut entfalten könne, vorausgesetzt, er werde in seiner Entwicklung nicht gestört. In seinem Vorwort schreibt er: “Entscheidende Charakteristika des von der Natur vorgezeichneten zweckmäßigen Verhaltens bei Wahrnehmung und Erfahrung, für das Entstehen von Kontakt mit Aufgaben und Menschen sind also die Qualität der Empfangsbereitschaft, Reagierbereitschaft,... die Bereitschaft, eingeleitete Funktionen, Prozesse ablaufen, geschehen zu lassen, statt sie zu “machen” ..., die Bereitschaft, sich gewissermaßen von der Aufgabe mitteilen zu lassen, wie man sich bei der Leistung zu verhalten hat, die Bereitschaft, sein “Körperinstrument” durch Kontakt mit der Aufgabe zweckmäßig für die zu lösende Aufgabe verwandeln zu lassen.” (S. 13)
In den Kursen hat Jacoby Übungen angeboten, die helfen, sich und seinen Körper bei einfachen und komplexeren Tätigkeiten wahrzunehmen, wie zum Beispiel sitzen, gehen, greifen, sehen, später dann malen oder musizieren. “Die Bereitschaft zu wirklich tastenden Versuchen und zu sachlicher Forschungsarbeit gegenüber dem eigenen Verhalten fällt keinem leicht, der die übliche Erziehung gehabt hat. Diese Arbeit an der unerläßlich bewußten Zustandskontrolle ist neben dem Unwirksammachen der traditionellen Begabungsvorurteile und neben dem Sicherarbeiten einer Methode des Sich-etwas Erarbeitens und Ausprobierens (als Gegensatz zu “Beibringen und formalem Lernen)” ein Hauptanliegen seiner Kurse. “In zunehmendem Maße wichtig wurde dabei die Gewinnung einer bewußten Beziehung zum eigenen Körper als dem Instrument, in dem sich alle Zustandsänderungen abspielen, denn diese sind Voraussetzung aller Wahrnehmung und Äußerung.” (S.19)
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