Empfehlenswerte Literatur

Wer sich mit der Lichtenberger Methode auseinandersetzen möchte, dem sei die Schriftenreihe „Lichtenberger Dokumentationen – Erkenntnisse aus Theorie und Praxis der Physiologie des Singens, Sprechens und Instrumentalspiels“ ans Herz gelegt. Die Bände erscheinen ein bis zwei Mal pro Jahr. Soeben ist Band 3 erschienen.

Band 3: Lichtenberger Dokumenationen (Mai 2017)

In diesem Band widmen sich die Autoren Gisela Rohmert und Martin Landzettel vor allem der Stimulations- und Fragepädagogik und der Funktionalität der Mitte.

In der 35jährigen Institutsgeschichte wurde in Lichtenberg eine besondere Kultur des Fragens entwickelt, die Wahrnehmung, Klang und Physiologie gleichermaßen im Blick hat. Das Kapitel bietet zudem einen Katalog praktischer Herangehensweisen, welche mittels spezifischer Stimulationen die Sensorik zum Dreh- und Angelpunkt der Stimmentwicklung werden lässt.
Für Lehrerinnen und Lehrer ist dieser Beitrag ein wichtiger Kompass zur Standortbestimmung und kritischen Überprüfung der eigenen Arbeit.

Die Erkenntnisse der Arbeitswissenschaft um die physiologische Nulllage als Ausgangspunkt effizienten und ökonomischen Körperverhaltens haben die Methodenentwicklung am Lichtenberger Institut in entscheidendem Maße geprägt. Als zunächst rein körperliche ‚Mittigkeit‘ wurde sie in Bezug auf die unterschiedlichen Ebenen des menschlichen Wesens verifiziert und weiterentwickelt. Dass dieser Zustand nicht nur erstrebtes Ziel im Sinne einer ‚heilen‘ Stimme ist, sondern darüber hinaus physiologisch regulierend wirkt, verrät der Titel Funktionalität der Mitte.

Abgerundet wird das Buch mit einer praktischen Übung „Die verdächtige Ruhe“ zur Verbesserung der Wahrnehmung innerkörperlicher Räumlichkeit  und dem Fall Orpheus, der als lebendiger Mythos einen Brückenschlag zwischen unseren kulturen Wurzeln und neuester Stimmforschung darstellt.

Auch in diesem Band wird wieder deutlich, dass die Beschäftigung mit der physiologischen Seite der Stimme zu weitreichenden Aspekten menschlicher Existenz führt. Ihr umfängliches Erfahrungswissen haben die Autoren in einer schlanken, gelegentlich poetisch anmutenden Sprache verdichtet. Das macht die Lektüre auch stilistisch zu einem Genuß.

Erschienen im Mai 2017 im Lichtenberger Verlag,
88 Seiten, 24,80 €, ISBN: 978-3-00-056630-1

Band 2: Lichtenberger Dokumentationen (Herbst 2016)

Der zweite Band läutet eine radikale Umkehr des Verhältnisses zwischen Stimme und Körper ein. Eine veränderte Sicht auf den Kehlkopf als sensorisches Empfindungsorgan offenbart seine Ähnlichkeit zu den Sinnesorganen und eröffnet eine neue Ebene der gegenseitigen Beeinflussung. Im praktischen Umgang mit der Stimmfunktion zeigt sich ein vielfältiges Beziehungsgeflecht zwischem dem Kehlkopf und dem gesamten Organismus. Atmung, Körperhaltung und -bewegung, neurologischer Zustand, Wahrnehmungsfähigkeit und geistig-seelische Verfassung wirken sich unmittelbar auf die Phonotation aus.

Erschienen im Mai 2016 im Lichtenberger Verlag,
92 Seiten, 24,80 €, ISBN: 978-3-00-053048-7

Band 1: Lichtenberger Dokumentationen (Oktober 2015)

Auf der Grundlage einer gesunden Kehlkopffunktion konnten der menschlichen Stimme die Eigenschaften Freiheit und Leichtigkeit des Singens, großer Stimmumfang und weitgehende Altersunabhängigkeit zugesprochen werden. Der Kehlkopf ist Sammelpunkt zunächst ungeordneter Kräfte, kann aber zum Dreh- und Angelpunkt eines Gleichgewichts von Körperaktivität und Resonanzphänomenen werden.

Durch eine Aktivierung der Gewebeschwingung wird er über seine Rolle als Vibrator hinaus zum Sensor und Resonanzorgan. Dies drückt sich in einer erlebbaren Empfindung von Klang- und Gewebsverräumlichung aus. Der Einfluss des Parasympathikus (Vagotonus) im Dienste einer Stimmeffizienz ist allgegenwärtig. Die bemerkenswert spezifische Aufmerksamkeit, die einen solchen Prozess begleitend stimulieren muss, ist eine der schwersten Hürden auf dem Entwicklungsweg zu einer wahren Stimmidentität.

Im weiteren Verlauf beleuchten die Autoren den Einfluss der Resonanzfähigkeit des Körpers als Brückenschlag zwischen akustischen Schwingungen und den physiologischen Abläufen bei der Phonotation. Ebenso spielen die physiologischen Vorgänge des Mittelohrs bei der Klangbildung im Ohr eine wichtige Rolle und gehen über das reine „Hören“ hinaus. In verständlicher Weise und mit vielen Grafiken werden die komplexen Wechselbeziehungen zwischen physiologischen Vor-gängen und Stimmentwicklung verdeutlicht. Abgerundet wird der erste Band durch ein umfangreiches Glossar zu Fachbegriffen aus der Musikwissenschaft, Akustik und Physiologie.

Erschienen im Oktober 2015 im Lichtenberger Verlag,
100 Seiten, 24,80 €, ISBN: 978-3-00-050888-2

Rohmert, Gisela: Der Sänger auf dem Weg zum Klang, Dokumentation
Arbeitswissenschaft, Köln 1994
Das Buch ist vergriffen. Einzelne Kapitel daraus finden sich jedoch in überarbeiteter Form in den Lichtenberger Dokumentationen.

Im übrigen ist die Auswahl an Büchern zum Thema Wahrnehmung unendlich groß. Ich nenne hier nur Titel von Menschen, die als Pioniere auf ihrem Gebiet bezeichnet werden können.

Brooks, Charles V.W.: Erleben durch die Sinne (Sensory Awareness) in der
deutschen Bearbeitung von Charlotte Selver, Paderborn 1997

Jacoby, Heinrich: Jenseits von ‘Begabt’ und ‘Unbegabt’, Hamburg 1994

Ludwig, Sophie: Elsa Gindler - von ihrem Leben und Wirken, Hamburg 2002

Lusseyran, Jacques: Das wiedergefundene Licht, Stuttgart 1966

Tomatis, A. Alfred: Der Klang des Lebens, Hamburg 1990

Podcasts zum Thema Stimme

Klangkörper - Am Tisch mit Gisela Rohmert
Gisela Rohmert beschreibt, was sie an der Stimme fasziniert und mit welchen Zielen das Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie gegründet wurde. Das Gespräch wurde am 11.5. 2010 in der Reihe Doppel-Kopf im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt.

Interview mit Johanna Rohmert-Landzettel und Martin Landzettel bei Radio Darmstadt (RadaR) am 24. August 2015

Die menschliche Stimme - wie aus Luft Laute werden
Informativer, kurzer Überblick aus der Reihe Wissen vom Bayrischen Rundfunk zum Thema Stimme, der anschaulich darstellt, was für ein Wunder die Stimme ist, welche Fehler sich beim Sprechen leicht einschleichen und warum es sich lohnt, etwas für die eigene Stimme zu tun.